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Was passiert eigentlich wenn Pferde fressen?

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Das Pferde viele Stunden am Tag mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind, wissen die meisten.  Gute 16 Stunden um genau zu sein. Doch was passiert beim Fressen eigentlich? Mit dieser Frage haben wir uns einmal etwas genauer beschäftigt. Fressen bzw. die Nahrungsaufnahme generell ist für Pferde das normalste der Welt. Doch wie verarbeitet das Pferd die Nahrung und wo werden die Nährstoffe aufgenommen? Wir haben hier den Prozess einmal für euch kurz zusammengefasst.

Generell fällt der Ernährung bei einem Pferde (wie bei jedem anderen Organismus im übrigen auch) eine grundlegende Bedeutung zu, die für alle Lebensfunktionen verantwortlich ist. Der Prozess der Verdauung hat die Aufgabe, Energie und Nährstoffe aus dem Futter durch Prozesse chemischer, biologischer und physikalischer Natur für den Körper (Organismus) verwertbar zu machen. Das bedeutet, durch die Verdauung wird die Nahrung in Einzelteile zerlegt, die erst dann vom Körper aufgenommen werden können. Daher ist wichtig auf die Qualität des Futters zu achten und beispielsweise nur Futtermittel zu füttern, die vom Pferd überhaupt aufgeschlossen werden können. Mais ist hier ein gutes Beispiel. Mais befindet sich in vielen Müslis oder wird auch pur gefüttert, aber Mais kann nicht in jeder verabreichten Form vom Pferdekörper aufgeschlossen werden. Sprich – je nach dem welchen Mais man füttert, kann man es sich unter Umständen sparen, da das Pferd diesen nicht verarbeiten kann und er einfach wieder “ausgespült” wird.

Zum Fressen gern? Was bei der Auswahl des Pferdefutters zu beachten ist

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Pferdefütterung – Was passiert beim Fressen?

Die Nahrungsaufnahme eines Pferdes beginnt am Kopf bzw. am Maul. Das Pferd nimmt das Futter mit den Lippen, der Zunge und den Schneidezähnen auf. Dank der Lippenbeweglichkeit kann das Pferd problemlos Futter sortieren und auswählen. Die Backenzähne sorgen dafür, dass das Futter sorgfältig zerkleinert wird. Damit sich die Backenzähne gleichmäßig abnutzen können, benötigt das Pferd genügend Zeit das Futter zu zermahlen. Außerdem ist die Kauleistung stark von der Art des Futters abhängig – Müslis oder Pellets werden wesentlich schneller gekaut als strukturreiches Raufutter. Als Richtwert bei Krippenfutter gilt ca. 10 Min / kg, während es bei Raufutter ca. 40 Min / kg sind. Entsprechend ist es nicht nur für die Zähne wichtig ausreichend Raufutter zu füttern. Als Richtwert für die tägliche Fütterung von Heu gilt 1,5kg / 100kg Körpergewicht.

Die Dauer der Futteraufnahme beeinflusst ebenfalls die Speichelproduktion, welche notwendig ist, um zum einen aus dem aufgenommenen Futter einen weichen Brei zu machen und zum anderen die Neutralisierung des sauren Mageninhaltes zu unterstützen. Wenn das Pferd ausreichend Raufutter zu sich nehmen kann, produziert es bis zu 5 Liter Speichel / 100 Kg Körpergewicht pro Tag. Liegt ein entsprechend hoher Anteil Krippenfutter vor, so wird weniger Speichel produziert. Es gibt Pferde, die bei der Aufnahme von Raufutter gerne mit ihrer Tränke spielen und das Heu vor dem Fressen eintauchen. Auch hierdurch wird die Speichelproduktion reduziert. Gleiches gilt bei der Fütterung von Futtermitteln mit hohem Wassergehalt wie Gras oder Silage.

Der Prozess der Nahrungsaufnahme beim Pferd

Gelangt der Speisebrei durch das Maul in die ca. 1,5m lange Speiseröhre, wird dieser abgeschluckt. Hat das Pferd zuvor quellfähiges Futter, wie z. B. Trockenschnitzel gefressen, die nicht oder nicht ausreichend eingeweicht wurden, besteht hier die Gefahr, dass diese sich hier mit der vorhandenen Feuchtigkeit vollsaugen und so Schlundverstopfungen verursachen können. Ebenso kann ein hastiges Fressverhalten von Äpfeln, Karotten oder dergleichen zu Schlundverstofung führen. Das Ende der Speiseröhre verläuft in einen drüsenlosen Magenabschnitt, wo ein kräftiger Schließmuskel (Kardia) verhindert, dass der Speisebrei bei einem gefüllten Magen wieder zurücklaufen kann. Dies ist auch der Grund warum Pferde sich nicht übergeben können.

Im Pferdemagen angekommen

Anatomisch gesehen liegt der Magen weit vorne und wird vom Rippenkasten geschützt. Das Fassungsvermögen ist mit 15 Litern relativ klein, weshalb Experten empfehlen, häufiger kleinere Rationen zu füttern. Als Richtwert gilt hier, dass pro Ration 0,3 Kg Müsli oder Pellets / 100 Kg nicht überschritten werden sollten, um den Magen nicht zu überlasten.

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Der Verdauungstrakt beim Pferd – wie das Futter durch das Pferd gelangt

Im drüsenlosen Teil des Magens (Blindsack) können sich mit dem Futter aufgenommene Keime bedingt vermehren. Durch sie entsteht eine mikrobielle Umsetzung von leicht verdaulichen Kohlenhydraten (Zucker und Stärke). Wenn Futtermittel zu stark belastet sind, kann dieses Keimwachstum zu Fehlgärungen im Magen führen.

Im drüsenhaltigen Teil des Magens wird der Magensaft produziert, der sowohl Salzsäure als auch eine Vorstufe eines eiweißverdauenden Enzyms (Pepsinogen) enthält. Die Salzsäure senkt den pH-Wert und lässt ein saures Milieu entstehen, welches die Keime weitestgehend abtötet und die Enzymvorstufe Pepsinogen zu Pepsin aktiviert. Pepsin ist für die Einleitung der Eiweiß-Verdauung verantwortlich.

Die Verdauung beim Pferd

Durch die Magenbewegung wird der Futterbrei durchgemischt und weitertransportiert. Das Durchmischen des Nahrungsbreis mit dem Magensaft ist besonders wichtig, um einen ungestörten Ablauf der Verdauung zu garantieren. Wenn es während und nach der Fütterungszeit unruhig und hektisch im Stall ist, kann es passieren, dass die Magen- und Darmmotorik herabgesetzt wird. Daher gilt, dass zur Futterzeit und eine Stunde danach absolute Ruhe im Stall herrschen sollte. Außerdem sollte vor jeder Aufnahme von Krippenfutter ausreichend Raufutter gefüttert werden, sofern es nicht ohnehin 24 Stunden zur Verfügung steht, so dass eine zu rasche Aufnahme des Futters vermieden und die Voraussetzung für eine optimale Verdaulichkeit geschaffen wird. Auf größere Mengen verkleisterungsfähige Futtermittel wie Weizen oder Roggen (max. 10% im Krippenfutter) sollte generell verzichtet werden. Wasser gelangt auf kürzestem Wege über die kleine Magenstraße durch den Magen, d. h. wenn ein Pferd während des Fressens übermäßig Wasser aufnimmt, kann der Mageninhalt in den Dünndarm gespült werden und so für Verdauungsstörungen sorgen.

Der Pferdedarm – Sitz der Gesundheit

Der Dünndarm hat die Aufgabe leicht verdauliche Nährstoffe weiter zu verdauen und die dadurch entstandenen Grundbausteine durch die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf aufzunehmen. Die Gesamtlänge des Dünndarms kann bis zu 24m betragen und unterteilt sich in den Zwölffingerdarm, den Leerdarm (allein 20m) und den Hüftdarm.

Der Zwölffingerdarm ist gut 1m lang und zugehörig zu Leber und Bauchspeicheldrüse. Beide Organe münden relativ dicht hintereinander in diesen Abschnitt des Darms und übernehmen dabei gewisse Funktionen. Das Sekret der Bauchspeicheldrüse neutralisiert den sauren Magensaft und gibt weitere Enzyme zur Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratverdauung in den Darm ab. Die Gallenflüssigkeit der Leber (Pferde haben ja keine Gallenblase!) sorgt für eine gleichmäßige Verteilung der Fette im wässerigen Medium des Darminhaltes, damit diese für die fettverdauenden Enzyme angreifbar werden. Die stark vergrößerte Schleimhautoberfläche des Dünndarms sorgt dafür, dass die Nährstoffe aufgenommen werden können. Auf dem Blutweg werden diese dann vom Darm an die Leber (auch Stoffwechselzentrale genannt) weitergegeben. Darüber hinaus hat  die Leber weitere wichtige Aufgaben, beispielweise ist sie beteiligt an der Regulation des Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels und am Auf- und Abbau von Eiweißstoffen, sowie an der Bildung von Harnstoffen und der Depotbildung verschiedener Vitamine und Spurenelemente. Zudem wird ihr eine Entgiftungsfunktion für bestimmte Stoffwechselprodukte nachgesagt. Dabei wird sie von der Niere unterstützt. Die Niere sorgt dafür, dass Gifte und Harnstoffe (ein Abfallprodukt des Eiweißstoffwechsels) abtransportiert werden.

Die Verdaulichkeit von Futtermitteln

Sämtliche Rohfaserbestandteile der Pflanzen durchlaufen mehr oder weniger unverdaut den Dünndarm. Der Hüftdarmabschnitt hat eine ausgeprägte muskulöse Darmwand, wodurch der Futterbrei rhythmisch in den Blinddarm transportiert wird. Sollte das Pferd einen hohen Anteil schwer verdauliche Rohfaser (wie Stroh oder altes Heu) aufgenommen haben, können Verstopfungen in diesem Darmabschnitt auftreten.

Der Blindarm ist bereits Teil des Dickdarms, welcher sich zusätzlich noch in den großen und kleinen Grimmdarm und den Mastdarm unterteilt. Sowohl im Blinddarm, als auch im großen Grimmdarm (den beiden Gärkammern) findet der mikrobielle Aufschluss der Rohfaser statt. Je nach dem wie gut oder schlecht die Qualität des Futters war, wird die Aktivität der Darmflora (Bakterienbesiedlung) beeinflusst. Hat das Pferd beispielsweise viel Stroh (schwer verdauliche Rohfaser) gefressen, gibt es zu wenig leicht verdauliche Kohlenhydrate sowie Resteiweiß für die selbstständige Vermehrung der Bakterien und Einzeller. Entsprechend geht die Aktivität der Darmflora zurück und der Aufschluss der Rohfaser kann nur noch unvollständig erfolgen. Verstopfungen können die Folge sein. Die Bakterien im Darm haben aber nicht nur die Aufgabe des Rohfaseraufschlusses sondern sorgen auch für die Produktion der Vitamine K und B. Somit ist der Pferdekörper nicht auf eine künstliche Zuführung angewiesen, sofern der Prozess der Verdauung reibungslos funktionieren kann.

Was die Pferdeäppel verraten können

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Pferdeäppel verraten viel über die Gesundheit unserer Pferde

Der kleine Grimmdarm entzieht die letzten Wasseranteile und formt den Kot. Der Mastdarm (oder Enddarm) mit seiner Ampulle (Aussackung) sorgt für einen regelmäßigen Kotabsatz.

Anhand des Kotes können wichtige Ableitungen zur Gesundheit und Futterverwertung des Pferdes getroffen werden. Wichtige Merkmale sind Menge, Form, Farbe, Geruch, Beschaffenheit und vorhandene Parasiten. Der ideale Kot ist in Apfelform, glänzend in grün-gelb-brauner Farbe und mit einem nicht unangenehmen Geruch. Ist der Kot beispielsweise dünnbreiig, passiert er den Darmtrakt zu schnell und Nährstoffe können nicht aufgenommen werden. Ist der Kot hingegen heller, trockener und fester deutet alles auf eine hohe Aufnahme von Stroh hin. Dadurch ist das Risiko einer Verstopfung gegeben.

Rohfasergehalt im Pferdefutter – eine Übersicht

Anhand der folgenden Tabelle könnt ihr euch ein Bild vom Rohfasergehalt machen und entsprechend ableiten, welche Folgen die Gabe des jeweiligen Futters auf die Verdauung eures Pferdes haben.

 RohfasergehaltVerdaulichkeit
Streu35-42%33%
Wiesenheu20-38%45-66%
Grünfutter (Weide)3,5-7,5%65-70%
Haferca. 10%71%
Futterrüben9-11%85%
Maissilage5,8-8%72%
Quelle: Grundwissen zur Haltung, Fütterung, Gesundheit und Zucht – Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4; FNverlag der Deutschen Reiterlichen Vereinigung GmbH, Warendorf, 2016

 

Wie ihr seht steckt eine ganze Menge dahinter, ein Pferd artgerecht und gesund zu ernähren. Daher ist es umso wichtiger sich im Detail damit auseinanderzusetzen was das Pferd an Rationen braucht und wie es am besten verabreicht wird. In einem weiteren Artikel werden wir euch mehr über die Grundlagenversorgung von Pferden und deren Rationsberechnung berichten.

Und immer dran denken: „Nach dem Fressen, ist vor dem Fressen.“

Quellen:

Grundwissen zur Haltung, Fütterung, Gesundheit und Zucht – Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4; FNverlag der Deutschen Reiterlichen Vereinigung GmbH, Warendorf, 2016
Nutritional Physiology of the horse

Ellis, Andrea D. et al.

Journal of Equine Veterinary Science , Volume 25 , Issue 12 , 524
Hertel, J. , Altmann, H. and Drepper, K. (1970), Ernährungsphysiologische Untersuchungen beim Pferd. Zeitschrift für Tierphysiologie Tierernährung und Futtermittelkunde, 26: 169-174
Pferdefütterung, Helmut Meyer, 3. Auflage, Blackwell Wissenschaftsverlag, 1995

Kentucky Equine Research

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